Funktionenfolgen: punktweise und gleichmässige Konvergenz
Warum eine Folge stetiger Funktionen im Grenzwert einen Knick bekommen kann.
Bei Zahlenfolgen ist klar, was Konvergenz bedeutet. Bei Funktionenfolgen gibt es zwei sehr unterschiedliche Begriffe: punktweise und gleichmässig. Der Unterschied entscheidet, ob Eigenschaften wie Stetigkeit den Grenzübergang überleben.
Punktweise Konvergenz
Intuition
Halte einen Punkt fest und betrachte die Zahlenfolge . Konvergiert diese Zahlenfolge, so erhältst du einen Grenzwert an genau diesem Punkt. Machst du das für jeden Punkt des Definitionsbereichs, entsteht eine Grenzfunktion . Das ist punktweise Konvergenz: du baust die Grenzfunktion Punkt für Punkt zusammen.
Definition
Beispiel
![x^n auf [0,1] mit Knick im Grenzwert](/teaching/analysis_1/week_10/funktionenfolgen/xn_kink.webp)
Sei auf . Für festes gilt . Bei gilt für alle . Die Grenzfunktion ist also für und . Jedes ist stetig, die Grenzfunktion hat aber einen Sprung bei . Punktweise Konvergenz bewahrt Stetigkeit nicht.
Explizit ist die Grenzfunktion also .
![Grenzfunktion von x^n auf [0,1]](/teaching/analysis_1/week_10/funktionenfolgen/xn_limit.webp)
Gegenbeispiel zur Erhaltung der Stetigkeit
Das Beispiel ist bereits das Gegenbeispiel: punktweiser Limes stetiger Funktionen muss nicht stetig sein. Die Voraussetzungen fehlen, weil die Konvergenz in der Nähe von immer langsamer wird.
Gleichmässige Konvergenz
Intuition

Stell dir einen Schlauch der Breite um die Grenzfunktion vor. Bei gleichmässiger Konvergenz gibt es ein , ab dem die gesamte Funktion in diesem Schlauch liegt. Kein einzelner Punkt darf ausscheren. Der Index hängt nur von ab, nicht vom Ort .
Definition
Das praktische Rechenkriterium arbeitet mit der grössten Abweichung, der Supremumsnorm:
Satz
Beispiel
Zurück zu auf mit Grenzfunktion für und . Auf dem halboffenen Intervall gilt , aber Die Konvergenz ist also nicht gleichmässig. Das erklärt, warum der Limes unstetig sein darf: Satz 2.3 greift nicht.
Gegenbeispiel: punktweise gegen , aber nicht gleichmässig
Sei , also für und sonst. Für festes gilt ab bereits , also . Bei ist für alle . Punktweise gilt . Die Supremumsnorm ist aber Die Spitze wird immer höher und schmaler. Punktweise Konvergenz ohne gleichmässige Kontrolle.
Weiteres Beispiel
Sei auf . Für gilt , also . An den Rändern gilt . Die Grenzfunktion ist .
Supremumsnorm berechnen
Auf maximieren wir . Ableiten ergibt Der kritische Punkt im Inneren ist . Einsetzen liefert Dieser Ausdruck strebt für gegen . Wegen der Symmetrie gilt dasselbe auf . Also und die Folge konvergiert gleichmässig gegen .Kernaussage
Punktweise Konvergenz fragt nur lokal an jedem Punkt. Gleichmässige Konvergenz verlangt eine globale Kontrolle über alle Punkte gleichzeitig. Nur die gleichmässige Variante garantiert, dass Stetigkeit den Grenzübergang überlebt.
Übungen
-
Sei auf . Welche Aussage ist korrekt?
- (a) Die Folge konvergiert gleichmässig gegen die Nullfunktion.
- (b) Die Folge konvergiert punktweise gegen eine stetige Grenzfunktion.
- (c) Die Folge konvergiert punktweise, aber nicht gleichmässig, und die Grenzfunktion ist unstetig.
- (d) Die Folge divergiert an jedem Punkt .
-
Wann konvergiert gleichmässig gegen auf ?
- (a) Genau dann, wenn für jedes .
- (b) Genau dann, wenn .
- (c) Genau dann, wenn jedes stetig ist.
- (d) Genau dann, wenn beschränkt ist.
-
Die Folge konvergiert punktweise gegen . Warum nicht gleichmässig?
- (a) Weil nicht gegen strebt.
- (b) Weil unstetig ist.
- (c) Weil der Träger von immer grösser wird.
- (d) Weil die Folge bei divergiert.